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„Regen-Wette ist erlaubte Werbung“, sagen die Richter

„Was das Möbelhaus vorhatte, war kein Spiel, sondern hatte einen ernsthaften wirtschaftlichen Zweck – nämlich Möbel verkaufen“, sagte der Rechtsanwalt der Möbelhauskette gegenüber dem Magazin Stern. Die Bundesrichter sehen dies nun genauso und brachten Klarheit in eine seit Jahren bestehende Unsicherheit über die Rechtsnatur der beliebten Wetter-Wetten. „Unabhängig von der Gewinnaktion können die Kunden ohne Verlustrisiko die gekaufte Ware behalten“, erklärte das Gericht. Die Kunden würden schließlich für die Möbel bezahlen und nicht für eine Gewinnchance. Preisvergleiche bei der Konkurrenz stünde zudem jedermann offen.

Die gewonnene Rechtssicherheit tut der Promotion-Landschaft in Deutschland gut. Gerade zu Großereignissen wie der Fußball-WM oder Olympischen Spielen häufen sich Aktionen und Verkaufsförderungsideen, die ebenfalls auch vom Zufall abhängig sind: das Vorhersagen von Fußballergebnissen (coach+win berichtete bereits über die Vielzahl von Tippspielen und deren Mechaniken). So bot Die Bahn eine Bahncard an, bei der man zwölf Monate umsonst dazu erhält, wenn man den Weltmeister richtig getippt hat. Der Elektronikkonzern Media Markt warb ebenso mal wieder mit „Geld zurück“ , sollten Einkäufer des Onlineportals beim Kaufabschluss die Finalpaarung der WM richtig vorhersagen. Verschiedene Finanzinstitute lockten mit Extra-Zinsen für deutsche WM-Tore oder Zusatz-Startguthaben für das neue Girokonto. Das Spektrum der Conditional Rebate, wie sie im Fachjargon genannt wird, ist folglich breit und lässt Kreativen viel Spielraum.

Die gut informierte Süddeutsche Zeitung beruhigte ihre Leser und potentielle Interessenten an jener Promotionform mit den wahren Worten: „Ein großes finanzielles Risiko gehen die Anbieter solcher Wetten dabei nicht ein, da sich Unternehmen dagegen versichern können“. Recht hat sie mal wieder, herzlich willkommen bei SPS Clever Winning.

Die Treueaktion. Ein Kindle-leichtes Spiel?

Treueaktionen sollten nicht nur Kundentreue belohnen, sondern selbige auch aufs Neue erzeugen! Letzteres ist dem Konzern Shell womöglich nicht so ganz gelungen, wobei die Idee an sich einfach und gut war.

Man wollte sich bei loyalen Kunden mit einem besonderen Angebot bedanken. Im Rahmen des Prämienprogramms bot Shell den Kindle Paperwhite E-Book-Reader zum nach eigenen Angaben „sensationellen“ Punktewert von nur 999 Punkten an, (umgerechnet ca. 10,-€), wenn man zuvor bestimmte Produkte im Shell Shop mit Prämienpunkten gekauft hat.

Der Ansturm auf die Geräte war jedoch um ein Vielfaches höher als erwartet, so dass letztlich die Mehrzahl der Kunden Kindle-los blieb und sich daraufhin unmissverständlich über verschiedene Social Media Kanäle beschwerte. Der Ansturm sorgte auf Shells Internetseite für vorübergehenden Zusammenbruch, so dass bereits die Erreichbarkeit Shell’s zwecks Einlösung der Prämien gestört war. Auch entsprach die Anzahl der ausgegebenen Geräte nicht der realistischen Kundennachfrage. „Unserer Erfahrung nach sind das gerade mehrere Hunderttausend bis hin zu einer Millionen Menschen, die an der Aktion teilnehmen wollen“, sagt Steffen Greschner, Leiter Kommunikation von 6Minutes Media, die das Shopping-Portal mydealz.de betreibt.

Meines Erachtens hatte Shell auch gar nicht vor, bis zur letzten Anfrage alle Kunden mit Geräten zufrieden zu stellen. Nicht umsonst sichern sich viele Unternehmen für solche Fälle mit den bekannten „nur solange der Vorrat reicht“ Vereinbarungen ab, so auch hier. Doch ob Shell hier die goldene Mitte traf und auf einen „realistischen Ansturm“ vorbereitet war, darf zumindest bezweifelt werden.

Das Beispiel zeigt wieder einmal: es lohnt sich Marketingaktionen mit Rücklauf-Mechanismen, im Vorfeld aus allen Blickwinkeln zu beurteilen und von Experten prüfen zu lassen. Neben der betriebswirtschaftlichen Planungs-Komponente tritt in Zeiten von Kundenforen, sozialen Netzwerken und multimedialen Chatrooms sicherlich auch die Komponente „Stimmung bei den Nutzern und Kunden“. Denn ob „bad news“ dann noch „better than no news“ sind, wird sich für Unternehmen sicherlich anschließend zeigen. Ich prognostiziere aufkommende Probleme und schwindendes Vertrauen, erste Untersuchungen belegen dies bereits. Es bleibt also spannend und das Thema wird uns weiter beschäftigen. Denn nur der zufriedene kann auch ein treuer Kunde werden.

Marketing mit oder ohne Risiko?

Zwar verliefen die Olympischen Winterspiele 2014 aus Gesichtspunkten des Medaillenspiegels und der im Vorfeld zwischen DOSB und den Sportfachverbänden getroffenen sog. Zielvereinbarungen nur „suboptimal“, und trotzdem profitierten wohl mehr Menschen als geplant von den acht deutschen Goldmedaillen in Sotschi. Die Deutsche Bahn nämlich nutzte das Großereignis dazu, Neukunden der BahnCard 25 eine deutschlandweite Freifahrt für den Folgetag eines Olympiasieges zu gewähren. Getreu dem Motto: Deutschland gewinnt Gold, am Folgetag fährt Deutschland umsonst mit der Deutschen Bahn.

Aus Marketinggesichtspunkten eine spannende und  interessante Kampagne, standen hierbei der Neukundenerwerb und wohl noch wichtiger deren Erhalt über das verlängerte BahnCard Abo im Vordergrund.

Budgetiert war diese Aktion wohl nicht, entgangene Gewinne in noch unbekannter Höhe die Folge. Ein lesenswerter Artikel bei Focus Money liefert ein paar zusätzliche Fakten

Zum Artikel auf Focus Money

US-Dollar

Absicherung einer Milliarden-Sportwette im US-Sport

Buffett sichert Milliarden-Sportwette im US-College-Basketball ab

Eine Milliarde Dollar als Hauptgewinn – nicht umsonst trägt die bevorstehende Saison des Studentenbasketballs in den USA den Beinamen „March Madness“. Für die Rekordwette hat sich eine Hypothekenbank mit Milliardär Warren Buffett zusammengetan. Auch die Gewinnchance ist rekordverdächtig …

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