Die Treueaktion. Ein Kindle-leichtes Spiel?

Treueaktionen sollten nicht nur Kundentreue belohnen, sondern selbige auch aufs Neue erzeugen! Letzteres ist dem Konzern Shell womöglich nicht so ganz gelungen, wobei die Idee an sich einfach und gut war.

Man wollte sich bei loyalen Kunden mit einem besonderen Angebot bedanken. Im Rahmen des Prämienprogramms bot Shell den Kindle Paperwhite E-Book-Reader zum nach eigenen Angaben „sensationellen“ Punktewert von nur 999 Punkten an, (umgerechnet ca. 10,-€), wenn man zuvor bestimmte Produkte im Shell Shop mit Prämienpunkten gekauft hat.

Der Ansturm auf die Geräte war jedoch um ein Vielfaches höher als erwartet, so dass letztlich die Mehrzahl der Kunden Kindle-los blieb und sich daraufhin unmissverständlich über verschiedene Social Media Kanäle beschwerte. Der Ansturm sorgte auf Shells Internetseite für vorübergehenden Zusammenbruch, so dass bereits die Erreichbarkeit Shell’s zwecks Einlösung der Prämien gestört war. Auch entsprach die Anzahl der ausgegebenen Geräte nicht der realistischen Kundennachfrage. „Unserer Erfahrung nach sind das gerade mehrere Hunderttausend bis hin zu einer Millionen Menschen, die an der Aktion teilnehmen wollen“, sagt Steffen Greschner, Leiter Kommunikation von 6Minutes Media, die das Shopping-Portal mydealz.de betreibt.

Meines Erachtens hatte Shell auch gar nicht vor, bis zur letzten Anfrage alle Kunden mit Geräten zufrieden zu stellen. Nicht umsonst sichern sich viele Unternehmen für solche Fälle mit den bekannten „nur solange der Vorrat reicht“ Vereinbarungen ab, so auch hier. Doch ob Shell hier die goldene Mitte traf und auf einen „realistischen Ansturm“ vorbereitet war, darf zumindest bezweifelt werden.

Das Beispiel zeigt wieder einmal: es lohnt sich Marketingaktionen mit Rücklauf-Mechanismen, im Vorfeld aus allen Blickwinkeln zu beurteilen und von Experten prüfen zu lassen. Neben der betriebswirtschaftlichen Planungs-Komponente tritt in Zeiten von Kundenforen, sozialen Netzwerken und multimedialen Chatrooms sicherlich auch die Komponente „Stimmung bei den Nutzern und Kunden“. Denn ob „bad news“ dann noch „better than no news“ sind, wird sich für Unternehmen sicherlich anschließend zeigen. Ich prognostiziere aufkommende Probleme und schwindendes Vertrauen, erste Untersuchungen belegen dies bereits. Es bleibt also spannend und das Thema wird uns weiter beschäftigen. Denn nur der zufriedene kann auch ein treuer Kunde werden.